Pokerkönig aus Buer:

von Online-Redakteur Michael Batke am 10.01.2019 um 16:07 Uhr



Michael Robionek (SSV Alte Herren) gewinnt 150.000 Dollar !

Wahnsinn ! 
Michael Robionek, Spieler der Alte Herren-Mannschaft, "Stadion-Sprecher" der SSV, Organisator
des Buerschen Kneipenturniers und Hobby-Pokerspieler, gewinnt 150.000 Dollar auf den Bahamas !

 

Das schreibt die Presse:

Ein Hobbyspieler hat bei einem hochdotierten Poker-Turnier sein persönliches Märchen geschrieben. Sein vorheriger Rekordgewinn waren 80 Euro.

Michael Robionek hat den Finaltisch bei den PokerStars Players Championship (PSPC) in Nassau auf den Bahamas verpasst. Der Gelsenkirchener beendete das Turnier am Mittwochabend deutscher Zeit auf einem fantastischen 21. Platz. Sein Gewinn: 150.600 Dollar. Sein größter Erfolg waren zuvor 80 Euro.

Leidenschaftlich gerne spielt Robionek Poker. Allerdings nur in seiner Freizeit. Über den Sieg bei einem Qualifikations-Turnier im Internet erhielt er jedoch einen sogenannten Platinum Pass, mit dem er an dem Turnier teilnehmen durfte, das zu den höchstdotierten der Welt zählt. Spieler ohne Platinum Pass mussten eine Startgebühr von 25.000 Euro zahlen. Das insgesamt ausgeschüttete Preisgeld beträgt unglaubliche 26,5 Millionen Dollar.

Hobby-Pokerspieler wird bester deutscher Teilnehmer

So ging Robionek neben zahlreichen Profis und Weltklasse-Spielern als krasser Außenseiter in das Turnier. Doch der Bueraner blieb zäh. Und am Tisch. Stunde um Stunde, Tag für Tag. Das Teilnehmerfeld von anfangs 1039 Spielern dezimierte sich immer weiter. Nach drei Turniertagen waren nur noch 38 Spieler dabei - und Robionek hatte bereits 86.400 Euro sicher. Zudem war er neben Marvin Rettenmaier der einzige noch im Turnier verbliebene Deutsche. "Ich habe kein Auge zugemacht", erzählte Robionek morgens von schlaflosen Nächten.

Am Mittwoch verabschiedete sich jedoch auch Rettenmaier zügig. Robionek dagegen gewann gleich zu Beginn eine starke Hand und konnte sein Chip-Konto ordentlich erhöhen. So knackte er auch die nächsten Preisgeldsprünge, hatte schon bald eine sechsstellige Summe sicher.

Auf seiner Facebook-Seite und auch in den Live-Kommentaren auf dem Youtube-Stream wurde die Begeisterung immer größer. Freunde, Verwandte, Bekannte oder ganz normale Pokerfans feuerten Robionek an und lobten ihn für seine besonnene und souveräne Spielweise. Selbst die Kommentatoren im Stream avancierten zu großen Fans. "Er lebt den Traum eines jeden Hobbyspielers", riefen sie immer und immer wieder.

Gegen 22 Uhr deutscher Zeit endete Robioneks persönliches Märchen jedoch. Mit einem Ass und einer Fünf auf der Hand setzte er seine verbliebenen Chips. Sein Gegenüber hatte jedoch ausgerechnet zwei Asse auf der Hand. Die minimale Siegchance erfüllte sich nicht und Robionek beendete das Turnier als 21. Als 20. hätte er noch einmal 25.000 Dollar mehr gewonnen.

Nichtsdestotrotz zeigte er sich im Anschluss in den sozialen Medien zufrieden. "Job done!", postete er in der Nacht die Quittung über seinen beeindruckenden Erfolg. Zahlreiche Glückwünsche ließen nicht lange auf sich warten.

Quelle: WAZ  

Interview bei Fussball.de:

Im Hotel Atlantis auf Paradise Island vibriert die Luft. Die Spannung im großen Saal der Luxusherberge auf den Bahamas ist förmlich zu greifen. Hier laufen noch bis morgen die PokerStars Players NL Hold’em Championship, es geht um ein Preisgeld von insgesamt unglaublichen 26,45 Millionen Dollar. Einer der Zocker hier unter den Kartenprofis aus aller Welt kommt aus Gelsenkirchen, spielt bei den Alten Herren der SSV Buer und ist Mitorganisator beim „Buerschen Kneipenturnier“ für Hobbykicker: Michael Robionek.

So etwa wie die Geschichte vom Tellerwäscher zum Millionär muten die vergangenen Tage des 46-Jährigen an. Denn wie im Fußball ist Michael Robionek auch im Pokern ein Amateur- oder eher Hobbyspieler, sein höchster Gewinn bisher: 80 Euro. Paradise Island verlässt er nun mit über 150.000 Dollar in der Tasche. Für den ganz großen Wurf – dem Sieger winken 5,1 Millionen Dollar! – hat es gegen die Stars der Szene doch nicht gereicht, aber Platz 21 beim bisher größten Pokerturnier der Welt kommt dem Underdog aus dem Ruhrpott dennoch wie ein Märchen vor.

Im Interview mit FUSSBALL.DE erzählt Michael Robionek, wie es zum Showdown auf den Bahamas kam und was er in Gelsenkirchen mit dem Geld vorhat.

FUSSBALL.DE: Michael Robionek, haben Sie keine Angst, dass Sie plötzlich aufwachen und all das, was Sie gerade erlebt haben, doch nur ein Traum ist?

Michael Robionek: Das ist alles schon irgendwie unglaublich, vom Gewinn meiner Wildcard bis hin zu den Vorbereitungen für die Reise ans andere Ende der Welt und natürlich dann dem Turnier hier auf den Bahamas. Ich konnte die ganze Zeit, seit ich hier bin, auch kaum schlafen, da ich zwischen den Spieltagen nicht abschalten konnte. Mein Kopf war einfach voll mit den unglaublich vielen neuen Eindrücken.

FUSSBALL.DE: Wie schafft es ein Hobbyspieler überhaupt in den Olymp der Pokerkönige?

Robionek: Da gibt es viele Faktoren. Wenn ich früher mit Kumpels in der Kneipe gepokert habe, dann war ich schon meistens besser als die anderen. Dann habe ich angefangen, online zu pokern, habe aber wie vorher auch nie Geld eingesetzt. Mein höchster Gewinn war bisher 80 Euro.

FUSSBALL.DE: Das Startgeld für die Championship auf den Bahamas betrug 25.000 Euro...

Robionek: Deswegen können sich das nur reiche Leute oder Profispieler leisten. Der Online-Anbieter PokerStars hat aber im Vorfeld 320 Platinum-Pässe vergeben, die Hobbyspieler bei Online-Qualifikationsturnieren gewinnen konnten. Ich habe solch eine Challenge im November gewonnen, danach ging der ganze Spaß los. Weil ich kein Geld für die Tour hatte, habe ich mir die 1.000 Euro für den Flug bei einem Kumpel geliehen.

FUSSBALL.DE: Der jetzt wie viel zurück kriegt?

Robionek: Den Tausender, den er mir geliehen hat, plus ein Prozent von meinem Gewinn. Das haben wir vorher so ausgemacht. Von den 150.600 Dollar, die ich gewonnen habe, gehen übrigens 600 Dollar als Trinkgeld an die Cardholder im Hotel und 15.000 an meinen Mitspieler Christian Jambor. Wir haben am ersten Tag des Turniers ausgemacht, dass wir uns von unserem Gewinn gegenseitig zehn Prozent abgeben – da hat er einen guten Deal gemacht (lacht) .

FUSSBALL.DE: Mit welcher Strategie haben Sie es als Nobody so weit gebracht?

Robionek: Ich habe in jeder Runde dazu gelernt und meinen Spielstil dem Turnier und den Gegnern am Tisch angepasst. Am ersten Tag erhält jeder Spieler für seinen Einsatz von 25.000 Dollar 60.000 Chips, die er einsetzen kann. Anfangs habe ich recht schnell viel verloren, weil ich zu offensiv gezockt habe. Neben mir am Tisch saß zwischendurch auch mal ein Milliardär, dem es ja, mal abgesehen vom sportlichen Ehrgeiz, finanziell egal ist, ob oder wie viel er gewinnt. Bei mir waren die Voraussetzungen ja ganz andere: Ich habe so etwas noch nicht einmal ansatzweise erlebt. Ab dem zweiten Tag lief es dann besser, da habe ich mit einer defensiveren Taktik fast nur noch gewonnen. Als ich dann unter den besten 38 gelandet war, konnte ich es kaum glauben. Da war ja schon klar, dass ich über 80.000 Dollar in der Tasche haben würde.

FUSSBALL.DE: Wie geht es jetzt zu Hause weiter?

Robionek: Ich hatte nie viel Geld und habe jetzt auch nicht vor, zu Hause auf die Kacke zu hauen. Ich will meine kleine Mietwohnung behalten, gönne mir vielleicht einen kleinen Gebrauchtwagen und gebe natürlich meiner Mannschaft einen aus. Nächsten Mittwoch ist wieder Training an der Löchterheide, da freue ich mich schon drauf. Beim letzten Training vor Weihnachten habe ich ausgesetzt, denn ich wollte vor der Reise auf die Bahamas nicht unbedingt einen Knöchelbruch oder so etwas riskieren (lacht) .

Autor/-in: Heiko Buschmann


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